Gedenkgottesdienst auf der Kampenwand

Die Vergangenheit lebendig halten

Hunderte Menschen aus dem Chiemgau haben gestern im Schatten des Kampenwandkreuzes den Gefallenen und Vermissten der Weltkriege gedachte. Pfarrer Klaus Hofstetter appellierte in seiner Predigt an die Gläubigen, den Frieden nicht als Selbstverständlichkeit hinzunehmen.

Aschau – „Ich weiß nicht, was Krieg heißt, ich habe ihn nicht am eigenen Leib erfahren müssen. Aber es ist keine Selbstverständlichkeit, dass wir hier in unserer Heimat seit über 70 Jahren in Frieden leben dürfen“, sagte Pfarrer Klaus Hofstetter aus Prien, der den Gedenkgottesdienst für die Gefallenen des Chiemgaus an der Kapelle „Maria Königin des Friedens“ auf der Kampenwand zelebrierte.

„Und es ist – leider – fast überflüssig, sagen zu müssen, wie zerbrechlich dieser Frieden in unserer Zeit ist. Es kann so schnell gehen, da braucht man gar nicht auf die Großen und Mächtigen in der Welt mit dem Finger zeigen. Aber was kann uns den Frieden garantieren? Drehen wir uns alle um – hin zum Gipfel der Kampenwand: Da grüßt das Kreuz, da schaut der gekreuzigte und geschundene Herrgott auf uns und unsere Heimat, auf den ganzen Chiemgau. Er wird auch heute noch geschunden“, mahnte Hofstetter in seiner Predigt die Gläubigen dazu, sich für den Frieden in der Welt einzusetzen.

Priens Bürgermeister Jürgen Seifert und der Priener Veteranenvorsitzende Georg Fischer erinnerten an die Opfer der beiden großen Kriege des letzten Jahrhunderts, die auch nach über 70 langen Friedensjahren in der Bevölkerung stets präsent seien. „Mit diesem einmaligen Blick über unseren Chiemgau schauen wir nicht nur über die Landschaft, sondern schauen auch in die Vergangenheit zurück. Wir denken daran, was in Europa in zwei Kriegen im letzten Jahrhundert geschehen ist.“ Für den jüngst verstorbenen Bürgermeister von Höslwang Sepp Eisner bat Jürgen Seifert um ein stilles Gedenken.

Die Marktgemeinde Prien richtete in diesem Jahr die 66. Gedenkveranstaltung zu Füßen des Kampenwandkreuzes aus. Vertreter der französischen Partnergemeinde Graulhet nahmen erstmals an dieser Gedenkveranstaltung teil.

Die Heimkehrer aus den beiden großen Kriegen des 20.Jahrhunderts sahen bei ihrer Rückkehr aus Krieg und Gefangenschaft als erstes die vertrauten heimischen Berge wieder. Als äußeres Zeichen des Zusammenhaltes und des Erinnerns bauten sie das Gipfelkreuz auf den Ostgipfel der Kampenwand, des markantesten Berges im Chiemgau. Am 26. August 1951 wurde es eingeweiht, seitdem ist der Gedenktag auf den letzten Sonntag im August festgelegt. Das „Chiemgaukreuz“ ist mit zwölf Metern Höhe und 54 Zentnern Gewicht das größte eiserne Gipfelkreuz in den bayerischen Alpen. Bronzene Gedenktafeln erinnern an die Gefallenen und Vermissten von 58 Gemeinden rund um den Chiemsee.

Zum 66. Mal trafen sich die Veteranen- und Traditionsvereine aus dem Chiemgau zur Gedenkmesse, die bisher noch niemals ausgefallen und bei jedem Wetter an der Kapelle „Maria, Königin des Friedens“ abgehalten wurde. Strahlender Sonnenschein begrüßte in diesem Jahr die zahllosen Gottesdienstbesucher am Berg. 92 Fahnenabordnungen aus dem Chiemgau fanden sich an der Kapelle oberhalb der Steinlingalm ein.

Zahlreiche Ehrengäste, darunter die Europaabgeordnete Maria Noichl, die beiden Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner und Otto Lederer, die stellvertretenden Landrätinnen von Rosenheim und Traunstein, weitere aktive und bereits ausgeschiedene Mandatsträger aller Ebenen, sowie zahlreiche Bürgermeister aus dem ganzen Chiemgau, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Krieger- und Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim, Pius Graf, der erste Gauvorsitzende der Soldatenkameradschaften im Landkreis Traunstein, Michael Bernauer, mehrere hohe Offiziere der Bundeswehr aus Südostbayern, der Vorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Bezirk Oberbayern, Heinrich Rehberg, der Ehrenvorsitzende des Bayerischen Trachtenverbands, Otto Dufter, Peter Eicher vom Gauverband I, Miche Huber und Georg Westner vom Chiemgau-Alpenverband sowie die Vorsitzenden der Priener Ortsvereine Prien waren unter den Gästen.

Gemeinsam legten die beiden Vorsitzenden der Dachverbände der Veteranenvereine aus Rosenheim und Traunstein, Graf und Bern auer, zu den Klängen des „Liedes vom guten Kameraden“ einen Kranz zum Gedenken an die Gefallenen nieder. Musikalisch wurde der Gedenkgottesdienst von der Musikkapelle Prien unter der Leitung von Regina Huber und den Aschauer Alphörnern umrahmt. Die Gebirgsschützenkompanie Aschau unter der Führung von Hauptmann Hubert Stein schoss den Ehrensalut.

Bericht aus OVB v. 28.08.2017

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